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Ist Harzé "Hart vallo"? Meine Forschung nach dem Ursprung der Familie Reinard stockt mit Michael Renard. Dieser Kohlenbrenner heiratete 1735 in Retterath, was damals ein Kirchspiel in der Grafschaft Virneburg war und heute eine Gemeinde im Kreis Daun ist. Aus dem Heiratseintrag im Kirchenbuch von Retterath stammt die einzige genauere Herkunftsangabe: "Hart vallo". In Akten des Virneburger Amtsverwalters ist die Herkunft 1732 mit "Welschlandt" angegeben. 1749 verzeichnete der Pfarrer von Kempenich Michaels Ehefrau als "Anna Reinardin ex Wallonia", was natürlich in sofern falsch ist, als wie diese Frau wohl kaum aus der Wallonie stammte, sondern vielmehr aus Retterath, wo auch ihre Geschwister lebten. Michael Renard ist also Wallone, so bedeutet also "vallo" nichts weiter als Wallonie. Aber wo soll der Ort namens "Hart" sein? Den gibt es auf keiner Karte. Bei Grand-Halleaux käme der Ortsteil "Hourt" in Frage. Und dort gab es Ende des 18. Jahrhunderts auch tatsächlich zumindest eine Person mit Namen Renard, wie ein Grabstein auf dem Friedhof von Grand-Halleaux ausweist. Überzeugender ist jedoch ein Datenfundus der Mormonen: Guillaume Renard und Jeanne Gregoire ließen sowohl in Chockier (bei Lüttich) als auch in Harzé (etwas weiter südlich bei Aywaille) ihre Kinder taufen, eines davon auf den Namen Michael, und zwar am 26. Oktober des Jahres 1698. Ist Harzé dann Hart? Und passt eine Geburt bereits vor der Jahrhundertwende zu meinem Michael Renard? Wäre mein Michael Renard 1698 geboren, wäre er bereits 36 Jahre alt gewesen, als er in Retterath Anna Zimmer heiratete, 50 Jahre, als seine erste Frau starb und ihn vermutlich mit fünf Kindern alleine ließ und 70 Jahre als seine zweite Ehefrau starb. 78 Jahre war er dann alt, als sein Sohn Joseph in Dedenbach heiratete. Von seinem Tod habe ich bislang keine Notiz gefunden... Das hohe Alter war so selten nicht. Es überrascht allein, die späte Ehe. Die könnte natürlich berufsbedingt nicht früher möglich gewesen sein, weil er als Kohlenbrenner oft den Standort wechselte. Aus Akten in Wertheim an der Tauber weiß ich,
dass Michael Renard spätestens 1729 als Kohlenbrenner in der Eifel
tätig wurde. Damals war er also 30 Jahre alt und wurde bereits
Meister genannt. Ihm unterstanden einige Arbeiter, und er wickelte
seine Geschäfte selbst ab. Dabei brauchte er zwar Hilfe, weil er
nicht schreiben konnte, aber er kaufte Wald und verkaufte die Kohlen,
im Raum Retterath heuerte er zudem im Namen eines Hüttenmeisters
Fuhrleute an, was ihm beinahe zum Verhängnis wurde. Es gab schon um
1729 Geschäftskontakte mit den Hüttenherren de Requillé, die
ebenfalls aus der Wallonie stammten. Ein weitverzweigter Zusammenhang
könnte sich zur Familie Renard um 1630/40 in Lüttich finden, die
offenbar aus Namur stammte. Zu ihr gehörte der 1631 erschossene
Offizier Philipp Renard, der 1684 geköpfte "bourgmestre"
von Lüttich, Guillaume-Francois Renardi und wohl auch der Hüttenmeister und
Constabler Jean Renard (Sohn von Pierre und Marguerite), der mit
seiner Ehefrau Marie Burdene (hier Maria Bürden) ins Arenbergische
zog, um die Stahlhütte zu leiten (offenbar Vorfahren der Familie
Reinardi in Hoffeld/Kreis Ahrweiler). Womöglich hätte ich gleich aufgegeben, und nicht angefangen, ohne weitere Beweise eine abenteuerliche Konstruktion zu wagen, wenn nicht der Familienname der Ehefrau ausgerechnet Mariotte lauten würde! Maritotte oder auch Mariot und Marioth heißt nämlich die Lütticher Familie, die damals mit dem Hüttenwesen im Hessischen vom Trierer Kurfürsten belehnt war. Und die Gebrüder de Requillé hatten sich ihre Verwandtschaftlichen Bande und ihren besseren Ruf zu Nutze gemacht, und ungeachtet des ausgezahlten Anteils ihrer Großmutter in die Lehnsfolge eingetreten... Und so machte Michael Renard in Eifel als Kohlenbrenner ausgerechnet Geschäfte mit der Marioth'schen Hüttencompanie zu Nievern - mit Albert de Requillé und mit Arnold Bertram... Der Vater der Marie Mariotte heißt übrigens Peter (verheiratet mit Anna Fallaise), und der Sohn des Lehnsnehmers Johann Mariotte, heißt Peter Michael Mariotte (verheiratet mit Maria Eleonore/Laurence Malaise) ... Die Kombination ist also gar
nicht so abwegig, geht aber nur auf, wenn Michel Renard nach seiner
Hochzeit (11.6.1724) und vor dem Beginn der Zusammenarbeit mit de
Requillé/Bertram (Vertrag vom 8.7.1729) in die Eifel kam. Das wäre
möglich, denn für das Ehepaar Renard/Mariotte ist nur eine einzige
Tochter bezeugt. Und gezeugt wurde sie wohl erst im Frühjahr 1731.
Michel Renard war nachweislich am 3.11.1730 noch in der Eifel, wo er
sich nämlich noch vor dem Gericht in Virneburg wegen des nicht
gezahlten Fuhrlohnes an die Leute von Boos, Münck und der umliegenden
Ortschaften zu verantworten hatte. In erster Instanz hatte er zwar den
Prozess gewonnen, aber die Stimmung kippte, weil er sich weigerte zu
schwören, dass er den Wald samt der bereits beschlagnahmten Kohlen
nicht zum Schaden der Fuhrleute weiterverkauft hatte. Und während
sich noch de Requillé von Montabaur aus in mehreren Schreiben an den
Grafen von Löwenstein-Wertheim für Michel Renard einsetzte, hat sich
dieser wohl "ins Welschland zurückbegeben", denn genau das
berichtete der Virneburger Amtsverwalter seinem Herrn im Dezember
1731. Wie es dann kam, dass Michel wieder zurückkehret und 1735 in
Retterath Anna Zimmer heiratete, das bleibt noch zu klären... Aus dem
Zufallsfund geht zum weiteren Leben der Marie Mariotte nämlich leider
gar nichts hervor. |
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Quellen: Michel Renard oo Marie Mariotte
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