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Nachfahren des Michel Renard | Familiennamen von A-Z aus
meiner Datenbank vorab... weil ich jahrelang hinter diesem Menschen hergeforscht habe, von dem ich in direkter Linie abstamme, und mich die Suche immer wieder in die Irre führte ohne schließlich ein Ende nehmen zu wollen, habe ich beschlossen, all jenes Leid meiner Wanderungen in elende Sackgassen, sofern es mir in Erinnerung geblieben ist, dem geneigten Leser mitzuteilen, denn immerhin lässt sich auch von der erfolglosesten Suche noch etwas lernen... NOCH NICHT FERTIG Es ist
eigentlich ganz einfach, die Herkunft einer Familie aufzuspüren:
Da gibt es Eltern, Großeltern und Verwandte, die noch etwas zu erzählen
haben, Stammbücher, die in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts
pflichtgemäß zum arischen Nachweis unter den Nationalsozialisten
angelegt wurden, und schließlich die Register der Standesämter.
Letztere führen fast immer – zumindest links des Rheins
– bis zum Jahr 1798 zurück. Für die Zeit davor helfen die
alten Kirchenbücher weiter. Doch irgendwann erreicht man unweigerlich
den Punkt, an dem es einfach nicht mehr weiter gehen will, und jede
noch so aufwendige Suche zu keinem Ergebnis mehr führt. In meinem Fall
ist der tote Punkt die Ankunft von Michel Renard in der Eifel. Der
lückenlose Nachweis der Familiendaten endet mit der Heirat in Retterath,
das heute zum Kreis Daun gehört und 1735 zur
Grafschaft Virneburg. Eigentlich hatte ich schon viel eher geglaubt, mit meiner Forschung nicht mehr weiter zu kommen, und wegen eines ganz anderen Mannes mit dem Familiennamen Reinart im Retterather Kirchenbuch[1] geblättert. Doch während ich so versonnen vor mich hin Seite um Seite umschlug und meine Augen nur flüchtig über die Familiennamen huschten – ich stöberte nämlich in einer Zeit, die auf den anderen Reinart gar nicht passte, hatte jedoch beschlossen, das Buch dennoch von Anfang an zu lesen – traf mich fast der Schlag: Michael Renard stand dort geschrieben, der Name, den ich seit Monaten suchte. Es war der Hochzeitseintrag, nach dem ich andernorts vergeblich geforscht hatte. Hier hätte ich ihn niemals vermutet. Mit vor Aufregung zitternder Hand schrieb ich ab, was ich später im Bild festhielt:
Natürlich war der schon etwas verblasste Text auf dem
spröden grauen Papier nicht in Deutsch geschrieben. Aber um die
wenigen Worte, die hier verwandt wurden, zu begreifen, braucht man kein Latein in der Schule gehabt zu haben: Da hat am selben Tag
wie zuvor (=Eodem), womit in diesem Fall der 31. Januar 1735 gemeint
ist, ein Mann namens Michael Renard (die folgende Passage mit dem
Pastor in Daun klären wir später) die Anna Zimmers aus (=ex)
Retterath geheiratet. Schade eigentlich, dass der damalige Pfarrer nicht, wie mach einer seiner
zeitgenössischen Kollegen, die Namen der jeweiligen Eltern notierte, ganz zu
schweigen von denen der Trauzeugen, die wegen der meist bestehenden
verwandtschaftlichen oder bekanntschaftlichen Beziehungen nicht
uninteressant sind. Die Namen der Eltern müssen dem Geistlichen ganz
sicher bekannt gewesen sein, denn seine Aufgabe war es auch, eine Blutsverwandtschaft
zwischen den Brautleuten auszuschließen. Leider sind die Angaben im Kirchenbuch
aber etwas spärlich ausgefallen. War Michel schon großjährig, oder
benötigte er die Einverständnis seiner Eltern? Lag es am Datum, dass
an diesem 31. Januar 1735 gleich vier Paare vor den Altar traten
und den Bund fürs Leben schlossen, oder steckte mehr dahinter? Die Liste der Namen nimmt im
Kirchenbuch beinahe den Platz einer halben Seite ein: Peter Einig
aus Salcherath ist dort als Ehemann der Margaretha Jax aus Liersthal
verzeichnet, sein Bruder, Paul Einig, als Ehepartner von Gertrud Freyn
aus Retterath, der Witwer Michael Clas aus Mannebach mit seiner neuen
Frau Catharina Groos und eben mein Michael Renard mit seiner Anna
Zimmer. Ob die Paare allerdings alle in einer Messe oder nacheinander
getraut wurden, ist aus dem Text nicht ersichtlich. Weitere Fragen
bleiben offen: Wo war dieser Michael geboren? Wie alt war er? War er
schon einmal verheiratet? Was hatte er für einen Beruf? Wer waren
seine Eltern? Aber gottlob gibt es noch andere Quellen... Wo oder was ist Hart vallo ? Nun, einen kleinen Hinweis enthält das Retterather
Kirchenbuch ja denn doch für den wissensdurstigen Nachfahrenforscher:
Schließlich
heißt es, Michael Renard komme aus "Hart vallo". Heißt das
vielleicht Harthof?[2]
Gäbe es in der Eifel nur nicht so viele Höfe mit diesem
oder ähnlichem Namen! Ein winziger Fingerzeig hilft, die Auswahl fürs
Erste ein wenig einzuschränken: "cum Dimissuo a R.D. Pastore in
Daun" steht im Kirchenbuch, und das heißt ins Deutsche übertragen
soviel wie "übersendet vom Herrn Pastor zu Daun". Wenn damit
die von Retterath aus gesehen nur wenig entfernte Pfarrei Daun gemeint
war, dann muss dieser Pastor Johann Georg Otto[3]
geheißen haben, und derselbe müsste dann eigentlich einen Hof im
Sinn gehabt haben, der in seinem Pfarrbezirk zu finden sein sollte
– vorausgesetzt natürlich, dass dieser Michael Renard, den er
zum Heiraten nach Retterath überstellte, nicht nur für einige Zeit
in Daun gelebt hat und Pastor Otto deshalb lediglich bescheinigte, was
er vom Hörensagen oder einem anderen Schriftstück wusste, nämlich,
dass dieser Michel von irgendeinem "Hart vallo" her gekommen
war. Wo anfangen? Am naheliegendsten erschien mir ein Blick
in das Kirchenbuch von Daun[4].
Darin findet sich jedoch niemand namens Reinard, und im ganzen
Pfarrbereich gibt es auch keine Ortschaft und kein Gehöft mit Namen
Hart. Oder doch? Etwa sechs Kilometer südlich der 1250 Jahre alten
Kreisstadt findet sich "Auf der Hardt" vor Mehren ein Hof
mit eben diesem Namen. Just auf der anderen Seite der Pfarrgrenze. Ob
er es war, der gemeint ist? Eine Familie Reinard gab es jedoch auch in
Mehren nicht, lediglich eine Familie Richerts, die allerdings – um einen Schreibfehler auszuschließen blieb
dies nicht ungeprüft – keinen Michael in ihren Reihen hatte. Eine Verbindung mit der
Familie Reicherz (sie stammt aus dem nahegelegenen Steiningen und lebt
heute auf dem Hof Hardt)[5],
kann ebenso ausgeschlossen werden. Im Kirchenbuch von Mehren[6]
steht dann doch noch ein Reinard. Zwar nicht unser Michael, aber ein
Gerhard. In Darscheid, etwas östlich von Daun (auf Retterath zu, wenn
man so will) ist er am 27. Januar 1759 gestorben. Er, so ist dort zu
lesen, stammte aus einem Ort, der "Bieresboren" heißen soll.
Die Schreibweise entfernter Orte, hatte ich aber längst gelernt, ist
ebenso mit Misstrauen zu betrachten, wie die Nennung von
Familiennamen. Meist hilft allein der Klang des Wortes, den wahren
Namen zu erkennen. Birresborn[7],
und kein anderer Ort kann gemeint sein, liegt etwa in der Mitte zwischen Bitburg und Daun in der
Verbandsgemeinde Gerolstein. Der nächste Ort südlich ist Mürlenbach,
wo die Bertradaburg (benannt nach der Stammmutter der Karolinger) steht. Und zufälliger Weise gibt es auf der Höhe
von Mürlenbach – mit dem Wagen nur von Birresborn aus zu erreichen
– einen Hardthof! Kam unser Michael Reinard etwa von diesem Hardthof?
War er ein Bruder von Gerhard Reinard? Denn Michel ist
– ohne irgendetwas vorwegnehmen zu wollen oder zu können –
irgendwann nach 1754 gestorben, könnte also
etwa so alt wie jener andere Reinard gewesen sein. Eines macht jedoch diese aufkeimende Hoffnung auf einen frühen Sucherfolg zunichte. Weder der Hof Hardt bei Mehren noch der Hardthof bei Mürlenbach hat 1735 existiert. Beide sind erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden – der Mehrener 1848, der Mürlenbacher 1833[8]. Hinweise darauf, dass an ihrer Stelle bereits vorher Höfe gestanden hätten, fanden sich nicht. Auch im Kirchenbuch von Mürlenbach[9] ist kein Reinard zu finden. Lediglich eine Familie Reinerds ist einmal erwähnt: 1733, am 5. März, ließen Johannes Reinerds und seine Frau Maria Elisabeth eine Tochter namens Catharina taufen. Das Ehepaar wohnte jedoch in Lissingen, einem Ort, der zwar damals zur Pfarrei Mürlenbach gehörte, aber direkt bei Georlstein lag, also ein gutes Stück weiter nördlich. Die Paten dieser Catharina Reinerds waren Thomas Catharingen aus Oberbettingen und Catharina Zimers aus Eller. Eine Verbindung zwischen unserem Michael und diesen Reinerds ist nicht zu finden. Vermutlich waren die Lissinger Verwandte der Familie Reiners in Oberbettingen, die später Reinards und, nach der Auswanderung nach Amerika, Reinartz geschrieben wurde[10]. Dies sind jedoch alles nur wenig hilfreiche Bruchstücke für ein "Familienpuzzle", das doch einmal ein geschlossenes Bild ergeben soll. So nahm ich mir vor, den Blick zurück in die direkte Umgebung von Daun zu richten. Da war ja dieser Gerhard Reinard, der in Darscheid gestorben ist. Lässt sich in der Umgebung dieses Ortes denn gar nichts Hilfreiches ausmachen? Doch, tatsächlich! Just bei jenem Darscheid gab es einst einen Ort namens Allscheid, der 1852 von seinen Bewohnern aufgegeben worden ist[11]. In diesem Allscheid lebte eine Familie Huardt. Genauer gesagt ein Remigius Huardt, der ein Haus mit Garten, Acker und Vieh besaß. So steht es zumindest in einer alten Handschrift aus dem Jahre 1655, die heute noch in Trier aufbewahrt wird.[12] Hat dieser Remy Huart einen Hof gehabt, der nach seinem Namen Hart-Hof genannt wurde? In den Steuerlisten des gesamten Amtes Daun taucht weder ein Reinard noch ein Hardt-Hof auf, lediglich dieser Remy Huart. Er hat nicht nur 1655, sondern auch 1667 und 1684 Steuern gezahlt. Also einige Jahre – eine Zeit die ausgereicht haben mag, damit sein Hof nach ihm genannt worden sein könnte. Als 1733 im ganzen Amt Daun Ehe- und Schirmgulden erhoben wurden, also jeder Verheiratete eine Sondersteuer zu bezahlen hatte, waren auch ein Witwer Peter Houart und dessen Sohn Peter darunter[13]. Jedoch kein einziger Reinard, geschweige denn unser Michel. Da er aber nun offenbar vor 1735 im Bereich des Dauner Pastors gelebt haben muss, wird er wohl Junggeselle gewesen sein – ohne einen verheirateten Verwandten in seiner Nähe. Hat Michel also als Zugezogener nur für eine Zeit auf Peter Harts Hof gearbeitet und ist deshalb vom Dauner Pastor dann 1735 als "vom Hart-Hof" bezeichnet worden? Dies würde zu dem passen, was Akten an einer ganz anderen Stelle verraten: Michel Reinard war geflohen, versuchte sich vor einer ungerechten Strafe zu schützen, die ihn seiner Freiheit berauben sollte. Aber alles der Reihe nach! Aus einer alten Prozeßakte[14] stammen die Informationen für folgende Geschichte: Ein Köhler aus dem Welschland Man schrieb das Jahr 1729. An mancher Stelle im Mittelgebirge, aber auch im Neuwieder Raum war Anfang des 18. Jahrhunderts Erz gefunden worden: Auf dem sogenannten Friedrichberg unter Rockenfeld gelegen, An der Kopperfurth unter Niederhunnefeldt, bei der Anhäußer Mühle gleich über der anderen Seite des Berges, unter Grentzhausen und an vielen Orten mehr.[15] Wenn jemand in diesem nassauischen Gebiet am Rhein vom Eisenhandel sprach, dann sicherlich auch vom Hüttenmeister Johann Arnold Bertram.[16] Dieser beaufsichtigte den gesamten Bergbau und hatte damit das Sagen über die dort arbeitenden Menschen.[17] Männer und Kinder gruben oft mit bloßen Händen den Eisenstein aus dem Boden. Das Erz brachte jedoch nur Nutzen, wenn es fachgerecht verhüttet wurde. In riesigen Öfen schmolzen gelernte Arbeiter den Eisenstein. Heraus kam ein wertvolles Rohmaterial. Die Äbtissin des Augustinerinnen-Klosters St. Thomas bei Andernach, Isabella Maria Rosina von der Hees, hatte den vielfältigen Nutzen dieses Eisens und die damit möglichen Geschäfte wohl erkannt und deshalb schon zwei Jahre zuvor, nämlich 1727, beim Kölner Erzbischof Clemens August von Bayern, dessen weltliche Herrschaft als Kurfürst bis in diesen Bereich des linksrheinischen Neuwieder Beckens südlich von Andernach reichte, um die Genehmigung für den Bau eines Hammerwerkes bei Miesenheim (ein wenig oberhalb von Weißenturm) gebeten. Dieses Werk war nun 1729 so weit fertig, dass es produzieren konnte, denn es war kein Neubau erforderlich gewesen, sondern lediglich ein Umbau der alten Nettermühle, die bis dato über ein Mahlwerk verfügte. An dieser Stätte sollten nun Schwarzbleche entstehen. Da reichte es freilich nicht, dass die Natur, sprich die Nette, das neue Werk ausreichend mit Wasser versorgte und der Betreiber genügend Eisenerz heranschaffen ließ – es mussten Kohlen zum Feuern her![18] Die Schmelzmeister wollten schließlich ihre Öfen kräftig anheizen, um dem Eisenstein das Erz zu entlocken. Viele Kohlen waren vonnöten – reine Holzkohle, weil Steinkohle noch viel zu teuer war – und die stammte aus dem Hinterland: der Eifel. Denn dort gab es trotz des ewigen Krieges und des jahrhundertelangen Raubbaues noch große Wälder. Die hohen Herren als Besitzer dieser Wälder hatten wohl bemerkt, wie sehr der Bestand angegriffen war. Ganze Bergkuppen waren mittlerweile kahl – für die Eisenindustrie, Baumaterial oder Reparationszahlungen mehr oder weniger unkontrolliert gerodet. Verordnungen mit Einschlagbegrenzungen sollten dem Baumbestand viel zu spät Erholung ermöglichen.[19] Wegen der enormen Einnahmen, die bislang mit dem Holzverkauf erzielt worden waren, hatten die Herrschaften zwar kein totales Verbot der Köhlerei erlassen, aber die Einschränkungen waren doch schließlich einschneidend.[20] Kein Wunder, dass die Betreiber der Eisenwerke immer neue Bezugsquellen auftun mussten, immer weiter weg von der Hütte.[21] So hatte auch der bereits erwähnte Hüttenmeister Bertram von Neuwied wohl einige Zeit suchen und Beziehungen spielen lassen müssen, ehe er den richtigen Geschäftspartner fand: Michel Renardi, ein Kohlenbrennermeister[22], der von einem Wald in der Herrschaft Virneburg wusste, dessen Holz zum Brennen taugte und das er erwerben könnte. Angesichts der Holzknappheit war Bertram froh, einen Meister gefunden zu haben, jemanden, der es versteht, aus gutem Holz so viel Kohle wie möglich zu gewinnen, zudem auch noch solche, die einen hohen Wärmegrad erzielt. Die Sache war bald abgemacht. Ohne Verzögerung wurde Holz eingeschlagen. Kaum war das geschehen, da legte sich der Michel mächtig ins Zeug, und es dauerte nicht allzu lange, da waren die besten Kohlen weit und breit fertig. Fuder für Fuder schafften die Leute aus den umliegenden Orten, aus Boos, Münk, Ditscheid und sogar von Mimbach, an den Rhein. Ein Kohlenkarren nach dem anderen holperte die Nette entlang. Züge mit bis zu zwölf Pferdekarren[23] waren unterwegs. Ochsen waren zwar auch dabei, aber sie waren nur noch selten vor den meist aus dünnen Stäben geflochtenen, einachsigen Wagen zu sehen, die wegen ihrer Bauweise beinahe von jedem nur "Kohlenkorb" genannt wurden. Ein jeder wohl mit 18 Fass beladen.[24] Hart arbeiten konnten die Fuhrleute wohl, nur mit
Geschäftsgebaren kannten sie sich nicht recht aus. Und so kam es, dass
ihnen erst während der Arbeit der Gedanke kam, was sie denn für ihre
Leistung für einen Lohn haben sollten. So berieten sie sich, fast 40
an der Zahl, und erkoren schließlich die beiden Förster Mathias
Einig aus Salcherath und Paul Bertram aus Mannebach dazu, an ihrer
statt nach Neuwied zu gehen und mit dem Hüttenmeister Bertram zu
verhandeln. Das taten die beiden auch. Sie schlossen am 8. Juli 1729
mit dem Meister einen schriftlichen Vertrag. Die Vereinbarung ging
dahin, aus dem Erbenwald etwa 60 Fuder Kohlen an den "weisen
Thurm" und "auf den Nettehammer" zu führen. Die
Fuhrleute sollten für den einen Weg 13 und für den anderen Weg 12
Kopfstücke (ein Geldstück) nebst des Zolls erhalten.[25]
Der Hüttenmeister versprach zwar damals, den beiden Unterhändlern für
den Vertragsabschluss etwas Eisen zu geben, das haben sie jedoch nicht
bekommen. Dafür gab es Geld für die Fuhrleute. Michel Reinardi nahm für die Fuhrleute aus dem Kirchspiel Retterath in der Regel bei Bertram das ihnen zustehende Geld in Empfang. Wer wieviel zu bekommen hatte, war am Kerbholz eines jeden Fuhrmannes abzulesen. Michel hat, so bezeugten die Förster später schriftlich, am 15. November 1730 vor dem Schreiber des Herren de Requille[26] sowie dem Retterather Pastor Johann Hoffmann und seinem Vikar Stephan Grün das Geld immer richtig abgegeben. Die jammernden Fuhrleute, meist trierische Einwohner, hätten Michel nicht wie die anderen ihre Kerbhölzer anvertraut, und so hätte er ihnen auch kein Geld mitbringen können, beteuerten die Zeugen.[27] Als wäre der Ärger mit diesen uneinsichtigen Fuhrleuten noch nicht Verdruß genug gewesen, stellte der Hüttenmeister Bertram jede Zahlung ein. Das brachte Michel in eine schwierige Lage, nicht nur wegen der anderen Fuhrleute. Er hatte schließlich den Wald aus eigener Tasche angezahlt und jetzt wollten die Verkäufer den Rest der verabredeten Summe ausgezahlt bekommen. So blieb Michel gar nichts anderes übrig, er musste den Wald, das heißt, was davon übriggeblieben war, wieder verkaufen. So kam er mit dem Schultheißen von Kalenborn, dem Peter Schäffges ins Geschäft und handelte sogar einen Vertrag aus, der ihm nicht nur das Geld für die Auszahlung der ersten Verkäufer brachte, sondern auch noch das Recht sicherte, gegen gutes Entgelt die Kohlen brennen zu dürfen. Die Freude über den gelungenen Abschluss, bei dem ihm der Vikar Stefan Grün geholfen hatte, währte nicht lange: Die Fuhrleute von Boos, welche wohl in der Hauptsache diejenigen waren, die vom Hüttenmeister kein Geld bekommen hatten, befürchteten, hinter dem Weiterverkauf des Waldes stecke ein Betrug zu ihren Lasten, und machten einen enormen Aufstand vor dem Amt in Virneburg. Sie zerrte den armen Kohlenbrenner Michel Renardi gar vor Gericht. Renardi habe sie angeworben, also sei er auch ihr Vertragspartner, klagte Johannes Freins, der Wortführer der Booser, als im September 1730 der Prozess eröffnet wurde.[28] Michel Renardi habe die Bewohner von Boos "in arge Noth gestürzt", schimpften Freins und Consorten. Wie arg die allgemeine Not zu dieser Zeit war, zeigt ein Gesuch[29], mit dem sich Virneburger Untertanen zu Retterath am 23. Mai 1730 an die Landesherren in Wertheim gewandt und an die "vorigen Kriegsempörungen" erinnert hatten. Die Booser, also offenbar ebenfalls wegen des vorherigen Krieges notleidend, konnten bei Bertram nichts holen, denn er saß im Nassauischen, also im Ausland. So versuchten sie, sich an Michel schadlos zu halten. Sie beantragten, sowohl den Erlös für den Waldverkauf an den Schultheißen Schäfges als auch die noch vorhandenen Kohlen mit "Arrest" belegen zu lassen, also zu sperren. Dem folgte das Gericht teilweise.[30] Denn wegen des Gezeters der Fuhrleute begann es selbst hinter dem Weiterverkauf des Waldes einen saftigen Betrug zu wittern und nahm sich folglich den Ablauf des Waldkaufes und -verkaufes genauer vor. Ein eigener Verhandlungstag musste her. Zu diesem
erschienen der Vogt im Kirchspiel Retterath, Peter Michels, der Franz
Gilgenbach als Heimbürger zu Retterath, der Nikolaus Guntert von
Arbach und der Stephan Schmit von Mannebach. Sie hörten von den Erben
des Waldes genaueres zum Ablauf des Zahlungsverkehrs: Die Erben gaben
an, mit dem "Meister Michell" am 2. April 1730 einen
Kaufvertrag geschlossen zu haben. Ein Taler für das Klafter Holz[31]
war vereinbart worden. Michel hatte ihnen 14 Tage später auch zehn
Taler angezahlt. Als sie Mitte Mai vom Köhler sechs weitere Taler
(wohl der Rest der Kaufsumme) forderten, hörten sie vom Klagen der
Fuhrleute und einer Verfügung des Landvogten Burkart, der das Geld für
die Booser, das der Köhler von seinem Hüttenherrn bekommen hatte,
mit Arrest belegt hätte. Die Waldbesitzer bekamen ihr Geld erst im August. Die Zahlung der letzten sechs Reichstaler an die Erben des Blochtales soll im Beisein des Schreibers Jacobi, welcher für den Hüttenmeister de Requille in Koblenz arbeitete, im Wirtshaus zu Retterath geschehen sein. Vom Schultheißen Schäffges sei dabei nicht die Rede gewesen sein, also habe man Renardi für den rechtmäßigen Käufer des Waldes gehalten.[32] Der Schultheiß von Kalenborn blieb mit der Begründung
"er habe genug zu tun" dem Prozess zunächst fern. Erst an
einem weiteren Verhandlungstag, eine Woche später (es war ihm wohl
die Erstattung der Spesen in Aussicht gestellt worden), bemüßigte er
sich, vor dem Gericht zu erscheinen und versuchte, sein Anrecht am
immer noch gesperrten Holz geltend zu machen, drohte gar mit
Schadensersatzansprüchen. Er habe mit dem "Meister Michell"
einen "schriftlichen accord" aufgerichtet, den schließlich
der Vikar Grün geschrieben und bestätigt habe, was die ganze
Aufregung soll, verstehe er nicht, und mit den Fuhrleuten habe er
schon gar nichts zu schaffen. Zudem habe Michel Renardi in dem Vertrag
gleichzeitig den Verzicht auf die Kohlen per eigenhändiger
Unterschrift (Ein Kreuz als Hauszeichen ist auf der Urkunde zu sehen[33])
bekundet.[34]
Die Fuhrleute, die damit ihre Sicherheit schwinden sahen, verlangten
nun nach der Annullierung des Vertrages zwischen Schäffges und
Renardi, wegen "Mangell an behöriger Formalitäten". Das
Gericht erkannte den zweiten Verkauf jedoch an ("bis dessen
Nichtigkeit erkennbar sei") und lockerte den Arrest zugunsten des
Schultheißen. Dabei behielt es sich aber ausdrücklich ein Vorgehen
gegen Reinardi vor. Schließlich klagten 40 Fuhrleute, eigene
Untertanen und kein "hergelaufener Fremdländer", wie Michel
in ihren Augen einer war. Die Fuhrleute führten schließlich
"falsche Aussagen von Michel" gegen ihn an (Vielleicht waren
sie auch schlicht falsch protokolliert worden?). So hätte er
behauptet, das Geld zur Zahlung des Waldes vom Hüttenherrn de
Requille in dessen Quartier zur Lilien in Koblenz empfangen zu haben,
was jedoch in der Pastorei in Retterath durch den Schreiber Jacoby
geschehen sei. Außerdem belege das Protokoll, dass die Fuhrleute
nicht mit Bertram sondern mit Michel einen Vertrag hätten. Immer mehr solcher Nebensächlichkeiten kamen ins
Spiel. Und was dem Gericht offenbar gar nicht gefiel, war Michels
Sturkopf. Denn Michel folgte nicht nur nicht dem Befehl, sich mit
Bertram zu bereden – was zweifelsohne keinen Sinn gehabt hätte –
sondern verweigerte auch noch den Eid, dass der Vertrag mit Schäffges
nicht vorsätzlich zum Schaden der Fuhrleute geschlossen worden sei.
Gerade letzteres machte ihn in den Augen der Oberen suspekt. Des
Angeklagten Einwände halfen nichts, das Unausweichliche folgte:
Michel wurde schuldig gesprochen. Es hatte auch nichts genutzt, dass
der Retterather Vikar Stephan Grün bestätigt hatte, den Vertrag über
den Weiterverkauf des Waldes eigenhändig aufgesetzt und
unterschrieben zu haben, sowie betont hatte, von einem Betrug nichts
zu wissen. Nach dem Motto "Wer bestellt, bezahlt", wurde dem
armen Kohlenbrenner der Prozess gemacht. Die Verhandlungen hatte sich lange hingezogen. Die Akte war sogar am 14. Oktober 1730 von Ludwig Moritz Graf zu Löwenstein (vom Geschlecht Löwenstein-Wertheim, das seit ungefähr 1600 die Virneburg besaß[35]) persönlich an das Präsidium in Frankfurt gegeben worden, mit dem Vermerk, der Fall solle "pro justitia tractiert" werden. Das endgültige Urteil wurde schließlich in Wertheim am 25. Mai 1731 gesprochen.[36] Michel hat den Richterspruch offenbar nicht angefochten, zumindest keine Aufhebung erreicht, und auch nicht die Strafe gezahlt, sondern sich schnell aus dem Staub gemacht. Vielleicht hatte ihm jemand verraten, dass er eingesperrt werden sollte, wenn er nicht zahlen. 1732 heißt es: "Der liederliche Kohlenbrenner reinardi hat inzwischen hießiges territorium mit keinem Fuß betreten, sondern, wie ich Vernehme, sich Vorlängst ins Welschlandt zurückbegeben, wird also die Ihm angesetzte Strafe ad 20 Reichsthaler wohl Suspendiert bleiben müssen."[37] Demnach war der Angeklagte verschwunden, zurück in seine Heimat gegangen, die im französischen Sprachraum zu suchen ist. Doch stimmte diese Mitteilung überhaupt? Handelt es sich beim Kohlenbrenner Michel Renardi um den späteren Ehemann von Anna Zimmer – und davon ist auszugehen[38] –, dann hat er sich keinesfalls "ins Welschland zurückbegeben", sondern höchstens für einige Zeit in einer benachbarten Grafschaft (offenbar in Daun) aufgehalten und damit dem Zugriff der Virneburger, sprich der an der Tauber sitzenden Grafen von Löwenstein-Wertheim, entzogen. In Boos hat sich Michel sicherlich nicht mehr freiwillig blicken lassen. Als Justizopfer bot sich der Köhler Michel Renardi geradezu an. Er war ein Fremder, und da war es kein Wunder, wenn Gericht und Obrigkeit mehr um das Wohl von über 40 Fuhrleuten, eigenen Unterthanen, besorgt waren. Außerdem galt der "schwarze Mann" in der ganzen Eifel allgemein als unheimlicher Gesell und musste sich eine pauschale Beurteilung als "Heide" gefallen lassen. Bediente er sich nun auch noch einer anderen Sprache oder eines anderen Dialekts – was in unserem Fall wahrscheinlich ist –, dann erhöhte das in den Augen der Einheimischen noch den Eindruck des Fremden und Unheimlichen. Das Beispiel des Gerichtsprozesses von Tobias Müller aus Antweiler vom Herbst 1683 mag Beleg dafür sein: "Die Welschen dahier in der Eyssenschmitt wohnhafft, 7 an der Zahlen, am 22 Septembris haben den Tobias Müller von dahier, wie er aus der Meißen (=Messe) naher Hauß zu gehen gemeint, auff der brücken angefallen und mit Knüppeln jemerlich zerschlagen, blutrünstig gemacht und gar zu todt geschlagen hetten, wann er, Müller, nicht entlauffen were." Die gerichtliche Untersuchung ergab dann jedoch, dass den Müller Tobias auch ein erheblicher Teil der Schuld traf.[39] Heimlich getraut? Aber zurück zu unserem Michel Renard. Seine Bindung zur Kirche muss sehr intensiv gewesen sein. Nicht nur der bereits bekannte Vikar hat zu seinen Freunden gezählt, sondern offenbar auch die Familie des zirka 1734 neu eingesetzten Pfarrherren von Retterath. Denn als am 16.12.1736 das erste Kind von Michel und Anna zur Welt kam und noch am selben Tag getauft wurde, übernahm nicht nur der Vikar Stephan Grün eine Patenschaft, sondern auch die Schwester des Pastors, Anna Maria Schreibers[40]. So erhielt das Kind, ein Mädchen, wie es in der Eifel üblich war, den Namen der Patin und hieß fortan Anna Maria. Möglicherweise hatten Trauung und Taufe wegen der Verurteilung von 1732 geheimgehalten werden müssen. Das würde erklären, warum Michel und Anna am selben Tag wie drei andere Paare heirateten und warum Vikar und Pfarrersschwester die Paten des ersten Kindes waren: um alles besser vertuschen zu können. Schließlich hätten auch Peter Zimmer (vermutlich Annas Bruder) oder Maria Zimmer (die Schwester) Paten sein können.[41] Ein Auftrag in der Langhardt Spätestens 1738 musste sich Michel jedoch nicht mehr
verstecken. Er wohnte ganz offiziell in Retterath. In seinem Beruf war
er auch geblieben; schließlich hatte er ein fundiertes Fachwissen,
das ja auch niemals von irgendjemanden anzuzweifeln gewagt worden war.
Weil es nun auch finanziell knapp wurde, suchte Michel Kontakt zu den
benachbarten Grafen von Bassenheim, welche Herren auf Burg Olbrück
bei Niederzissen waren. Diese Herren besaßen nicht nur ein
ansehnliches Territorium, zu dem etwa Königsfeld (damals noch mit
Stadtrechten) und der Gudenhof nördlich von Sinzig gehörten, sondern
auch ausgedehnte Wälder. Die Grafen konnten einen tüchtigen
Kohlenbrenner gut brauchen, zumal sie Geschäfte mit den Hüttenmeistern
am Rhein unterhielten. Einen richtigen Vertrag gibt es zwar nicht
mehr, jedoch eine Anfangsnotiz in den Abrechnungsunterlagen. Dort heißt
es: "Den 22. February 1738 ist mitt Michel Renard Kollenbrenner
accordirt (=vereinbart), daß Holtz auff seine Kost(en) in der
Langenhart zu hawn undt zu verkollen, jedes F(uder) zwey undt ein
halben R(eichstaler) courant und ein R(eichstaler) Drinckgelt so eodem
empfangen." Michel, durch den mißratenen Handel mit dem Hüttenmeister
Bertram vorsichtig geworden, hatte nun klar ausgemacht, den Wald nicht
eher einschlagen zu lassen, bis der Herr Remy[42]
eine Anzahlung geleistet habe. Doch die ließ auf sich warten. Im
Februar 1738 wandte sich Michel schriftlich an die Bassenheimer
Herrschaft und bat, bei Remy auf die Zahlung seiner Rechnung zu drängen.[43]
In dem Schreiben teilt er dem Grafen auch mit, vernommen zu haben, dass
die Gemeinde Jammelshofen (zwischen der Hohen Acht und der Langhard)
ihren Wald verkaufen wolle, der für den Preis von 120 Reichstalern
sich nicht entgehen zu lassen sei. Um bis zur Anzahlung leben zu können,
bat Michel um ein halbes Malter Korn. Sein Schreiben schloss er mit
den Worten: "Verbleibe hochgedachter Herrschaft jederzeit treu,
bereitfertigster Diener Michel Reinahrt in Retterath". Der Brief ist zwar in Deutsch geschrieben, aber in
keinem guten. Vermutlich ist er das Werk eines billigen Schreibers
gewesen. Denn die Handschrift war keineswegs ungeübt — was
sicherlich nicht dafür spricht, dass unser Michel zwischenzeitlich
noch das Schreiben gelernt hätte; den Vertrag mit dem Kalenborner
Schultheißen Schäffges hatte er ja 1730 nur mit einem Kreuz
gezeichnet. 1738, als Michel auf die Weisung wartete, mit dem Holzeinschlag beginnen zu können, war die Geschichte mit dem angeblichen Kohlenfuhrbetrug entweder aufgeklärt oder aber schlicht vergessen. In diesem Jahr kam jedenfalls – immer noch in Retterath – die zweite Tochter zur Welt: Maria Catharina. Irgendwelche Heimlichkeiten waren kaum noch vonnöten, dennoch fällt auf, dass die Paten nicht aus Retterath selbst stammen: Johann Krämer, der Mann von Gertrud Simon, wohnte auf einem abgelegenen Hof bei Retterath, in Salcherath, und war ein guter Bekannter (vielleicht gar ein Verwandter). Bei einem Kind von Johann war Michael schon zwei Jahre zuvor Pate gewesen (Im Kirchenbuch ist sein Name bei dieser Gelegenheit "Renart" geschrieben). Die Namensgeberin für Michels Tochter wohnte noch weiter weg: sie stammte aus Uersfeld und war die Ehefrau des dort lebenden Leonard Schmit.[44] Während sich Anna um das Kind kümmerte[45] arbeitete Michel in der Langhard. Immer wieder wurden neue Bäume gefällt und zu Kohlen verarbeitet. Nicht immer ging alles glatt. Das lag zum Teil daran, dass dem Michel Kohlenbrenner unterstellt waren, die vom Herrn Remy angeheuert worden waren. Weil Michel aber nun nicht eher einen Kohlenhaufen anstecken wollte, bevor Remy eine Anzahlung geleistet hatte, gab es verschiedentlich Reibereien. Von einer dieser Auseinandersetzungen berichtete im April 17(38?) der "berth gullich" (Bert Geulich) zu Herschbach: Meister Michel hatte wieder einmal versucht zu verhindern, dass die Remy-Kohlenbrenner einen Haufen anstachen, ehe Geld da war. Da sagten ihm die anderen Köhler schlicht, dann könne er die Arbeit gefälligst ganz alleine tun. Dass Michel sie darauf hinwies, bei ihm in der Arbeit zu stehen, beeindruckte sie wenig. Schließlich bezichtigte ein Remy-Köhler gar den Michel die "alte Hütte" (wohl einen Meiler) verbrannt zu haben, worauf Michel allerdings ausfallend reagierte und den Köhler schalt: "Ich sollt Dich für einen Hundsfotten bis Du mir beweißt, daß ich die alte Hütte verbrannt haben soll!", und drohte gar dem frechen Untergebenen einen "uff die M(a)ull" zu geben, falls er ihn noch einmal derart bezichtige.[46] Härtere Auseinandersetzungen scheint es nicht gegeben
zu haben, und diesmal auch keine Gerichtsverhandlung. Dennoch hat die
Zusammenarbeit von Michel mit den Grafen von Bassenheim nur zwei Jahre
gedauert. Die Abrechnungen schließen 1740. In dieser Zeit hat Michel
jedoch ganz offensichtlich gute Arbeit geleistet. Enorme Mengen Kohle
wurden von seinen Meilerplätzen an den Rhein nach Breisig und Brohl
gebracht, wo sie auf Schiffe verladen wurden und teils nach Köln,
nach Rheinbreidbach und anderswo verladen wurden. Ungeachtet des
Vertragsendes scheint Michel der Langhard treu geblieben zu sein, denn
in der schon etwas baufälligen Kirche St. Hypolyti[47]
ließ Michel 1743 seine dritte Tochter taufen – auf den Namen
Margaretha. Klar, dass die Patin denselben Vornamen hatte: sie hieß
Margaretha Nohles. Der Pate war Joseph Lano und wohnte in Kempenich.
So steht es zumindest im Taufbuch. Es handelt sich offenbar um den
Arbeitskollegen und Nachfolger von Michel als Kohlenbrennermeister für
die Grafen von Bassenheim, Joseph la Nuë.[48]
Die Taufe hatte Michel sicherlich im Pfarrhaus bestellen müssen. Das
war gerade 1741/42 neu gebaut worden. Wo Michel aber gelebt hat, verrät
das Kirchenbuch nicht. Vielmehr sind er und Anna als "fremdes
Ehepaar" bezeichnet. Zu den "Armen" haben Michel und Anna aber wohl nicht gezählt. Sonst hätten sie am 18. Januar, dem Tag nach St. Antonius, etwas Geld aus der uralten Stiftung des Wilhelm von Orsbeck bekommen, denn der hatte 1579 genau 1000 Taler für die Hausarmen der Orte, in denen er begütert war, angelegt. Allein für Herschbach fielen 1743 vier Taler und 40 Albus an Zinsen ab.[49] Und das in einem Jahr, in dem mal wieder die Soldaten durch die Eifel zogen. Nur wenige Kilometer weiter in Richtung Osten, in Lederbach befand sich das Standquartier[50]. Michel und Anna waren wohl auch kaum in einer der alten Bruderschaften von Herrschbach Mitglied geworden. Schon 1623 bestanden die Hubertus- und die Schützenbruderschaft. Gerade 1743 kam die Bruderschaft der "allerseligen Jungfrau" hinzu, sie sollte 1872 unter dem Titel der "unbefleckten Empfängnis" erneuert werden. Vielleicht war die Volksmission der Jesuiten von Münstereifel im Jahr 1742 ausschlaggebend für ihre Gründung gewesen. Wiederholungen dieser Missionen, die meist acht oder vierzehn Tage dauerten und hauptsächlich dazu da waren, Protestanten zum Katholizismus zurückzuholen, fanden auch in den Jahren 1744 und 1751 statt und mögen den Bestand der Bruderschaft gefestigt haben. Zu dieser Zeit hatten Michael und Anna aber bereits Herschbach wieder verlassen. Sie waren in Richtung Adenau gezogen. Gleich auf der anderen Seite des Berges waren sie auf den Adorferhof gestoßen. Dort kam 1746 ihr einziger bekannter Sohn zur Welt: Joseph Reinard.
Der Adorferhof liegt ganz oben in einem abgelegenen Tal
Warum nach Adorferhof ? Es lohnt, einen genaueren Blick dorthin zu werfen, wo
der einzige Sohn und somit der Stammvater unserer Familie zur Welt
kam: nach Adorferhof. Noch heute ist Adorferhof bei Adenau nicht viel
mehr als ein Hof. Ein paar Häuser haben sich in diesem Jahrhundert um
die alte Gutsanlage geschart, alles Wochenendbewohner aus dem Kölner
und Düsseldorfer Raum. Und eine kleine, liebevoll gepflegte
Wegekapelle gibt es in dem Ort – genau an der Stelle, wo die
Kreisstraße aufhört. Wer mit dem Wagen kommt, kann um das Gotteshäuschen
herumfahren, denn er muß den selben Weg zurück nehmen, den er
gekommen ist. Die wenigen Häuser, die im oberen Tal des Gilgenbaches
stehen, bilden dennoch einen eigenen Ortsteil, der sich heute sogar
den Luxus eines offiziellen Ortsschildes leistet. Während diese
Siedlung nunmehr zur Gemeinde Leimbach gehört, war sie vor rund 250
Jahren, als Michael und Anna hierher zogen, noch dem Ort Gilgenbach
angegliedert. In den 40er Jahren des 18. Jahrhunderts war das Tal an dieser Stelle freilich deutlich geringer besiedelt. Von zwei Höfen in der Adorff ist stets die Rede gewesen, von einem oberen und einem unteren. Der untere scheint die Hälfte des Hofes in der Adorf zu sein, die der Ritter Lantzelot von Eltz und seine Ehefrau Helena Cruseler von Nürburg um das Jahr 1500 an die Erben Becker zur Finanzierung der Stiftung des St.-Anna-Altares in der Adenauer Pfarrkirche verkauften. Pächter waren um 1740 Gerhard Bertram und seine Frau Eva Schneider. Der obere Hof dagegen gehörte dem Freiherrn von Wentz, obgleich auch dieser Hof seinen Zehnten an die Pfarrkirche zu Adenau zu liefern hatte. 1748, am 4. September, verkaufte der "hochwohlgebohrene Freyherr Carolus Fredericus von Wentz de Niederlahnstein nahmens seiner Frau Mutter und Brüdern den allodial freyen Hoff Adorff ahn den Hochwohl Ehrwürdigen Herrn Nicolaum Schmitz zeitlichen pastoren zu Dümpelfeldt". So steht es im Adenauer Erbungsbuch[51]. 1750 verpachtete dieser Pastor Schnitz den Hof erneut an Friedrich Nett und dessen Ehefrau Susanna Pseth.[52] Einen Hofmann Friedrich Neth und seine Ehefrau Lucia gab es bereits 1729 in der Adorff. Das ist im Adenauer Kirchenbuch zu lesen. Drei Malter Korn und fünf Malter Hafer[53] lieferte der halbe obere Hof der Kirche für den Anna-Altar in Adenau in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Davon bezog der damalige Kaplan namens Müller zwei Drittel, den Rest erhielt die Comthurei.[54] Der Höfer Nett hatte Verwandtschaft in Hohenleimbach. So war er am 1. Mai 1746 Pate bei Johann Nett und Luzia Rechs Sohn Friedrich. Vermutlich kam auf diesem oberen Hof in der Adorf 1746 Joseph Reinard zur Welt. Der entsprechende Taufeintrag im Adenauer Kirchenbuch befindet sich jedoch nicht in der Rubrik "Gilgenbach" sondern unter der Bezeichnung "Vagi". Dort hat der damalige Adenauer Pfarrherr, Johann Mathias Hillbrand, all jene eingetragen, die herumvagabundierten oder aus sonstigem Grunde nicht in der Adenauer Pfarrei ansässig waren. Dennoch belegt der in lateinischen Worten abgefasste Text, daß Joseph Reinard als ehelich legitimer Sohn von Michael Reinard und Anna Zimmer am 19. Juli 1746 geboren und am 20. Juli in der "heiligen Quelle" getauft wurde. Auch die beiden Taufzeugen sind vermerkt: Das waren ein Joseph Neewinger und eine Helena Dresers, die beide aus Adenau waren.
Warum gerade diese beiden? Die Familie Dreser und die Familie Neewinger hatten in den Jahren zuvor Bürgermeister gestellt[55]. Denach könnte ihnen quasi als "Offiziellen", die Patenschaft angetragen worden sein. Bezeichnend ist, daß Helena Dresers vermutlich die Tochter des Gerichtsschöffen Johann Dresers aus der Pickelsgasse zu Adenau 1753 Patin eines Sohnes des Waldförsters Weber in Adenau war. Also bei jemanden, der einem ähnlichen Berufsstand angehörte wie unser Michel. 1747 war Helena Dresers zudem gemeinsam mit Michael Geyer, der ebenfalls aus Adenau war, Patin des kleinen Michael Jons. Dieser war der Sohn des Kempenicher Schultheißen Joseph Jons. Und aus Kempenich stammte der Nachfolger von Michel in der Langhard. Joseph Neewinger hat es nicht viel länger in Adenau gehalten. Er zog an die Mosel und heiratete Maria Barbara Caratiola aus Klotten, mit der er laut Kirchenbuch zwischen 1759 und 1766 vier Kinder hatte. Neewinger wurde in Klotten als Meister bezeichnet. Welchem Beruf er nachging, ist jedoch leider nicht überliefert. Vielleicht war auch er Kohlenbrenner. Jodokus Neewinger, der in Adenau auch Bürgermeister war, übte jedenfalls diesen Beruf aus. Mathias Dreser, vielleicht ein Bruder von Helena, war 1755 Bürgermeister in Adenau und besaß offenbar eine Walk- und Ölmühle. Er bezahlte gemeinsam mit J. Neewinger aus der Birrenbach die Pfarrstelle von Mathias Schmitz. Und dieser wiederum war der Sohn von Emmerich Schmitz und Catharina Reinartz, welche in anderen Akten jedoch nur in der Schreibweise Reinardi vorkommt. Welch eine Verbindung! Handelt es vielleicht um Verwandtschaft von Michel? Dem alter nach könnte diese Catharina Reinardi eine ältere Schwester von Michel sein. Denn Mathias Schmitz ist 1728 geboren. Hinweise auf die Herkunft dieser Catharina sind spärlich. Womöglich war sie aus Hoffeld, denn ihr Sohn richtete gegen Ende des Jahrhunderts vier Wochenmessen in Hoffeld ein. Vielleicht war Michel dann doch kein Auswärtiger, sondern ein Nachfahre des Hüttenmeisters Jean Renard von der Stahlhütte. Wie lebten Michael und Anna in Adorferhof ?
Der Heiratseintrag im Kirchenbuch von Königsfeld verrät zwar die Namen der Brautleute, nicht jedoch das Datum der Eheschließung. Welchem Beruf ging Michael nun nach? Hatte sich Michael auf diesem Hof verdingt? Oder gab es gar eine Verbindung zur Familie Nett? Möglichkeiten gibt es gar viele: Die Gegend zwischen Adenau und Adorferhof, vom Kirchberg angefangen, war noch bis vor 100 Jahren unbewaldet. Vielleicht hat Michel als Köhler, die dortigen Wälder abgeholzt. Wer weiß?. Soviel über Michels Taten in Retterath zu lesen ist, so wenig ist über sein Wirken auf dem Adorferhof zu erfahren. Nach der Geburt des Sohnes wird es Still um den Kohlenbrenner Michel Renard und seine Familie. Sollte Michel in diesem Ort gestorben sein? Im Sterbebuch ist er nicht zu finden. Der Name Anna Zimmer steht dafür gleich mehrfach im Kirchenbuch. Denn Zimmer war damals in Adenau und Umgebung kein seltener Name, und der Vorname Anna war einer der beliebtesten. Anna Zimmer gab es in Wirft, Wimbach, Honerath, Adenau selbst und jetzt, mit Michels Frau, auch in Adorferhof. Der Pastor, der seine "Schäfchen" alle kannte, hat im Kirchenbuch bei Sterbefällen leider nur stets den Tag und den Namen notiert. So starben nach 1746 in Adenau mehrere Anna Zimmer. Eine Zuordnung ist heute schlichtweg unmöglich. Beim Herren von Gymnich Dabei wäre es interessant zu wissen, ob Anna Zimmer
in Adorferhof gestorben ist. Denn noch einmal taucht an einem völlig
anderen Ort der Kohlenbrenner Michel Renard auf: In Vischel bei
Altenahr. Und zwar ist im uralten Kirchenbuch dieses kleinen Ortes die
Geburt einer weiteren Tochter vermerkt: Gertrud kam dort 1754 am 30. März
zur Welt. Mit dem Nachnamen hatte der Pastor von Vischel so seine
Probleme. "Rheinhad" hat er verstanden, also hat er es auch
so hingeschrieben. Weil er jedoch glaubte, daß Reinartß gemeint sein
müsse, übersetzte er den Namen, um ein paar Zeilen tiefer noch
einmal den Eintrag zu wiederholen (Denn mit den Paten hatte er auch so
seine Probleme) und dabei "Rheinharts" zu schreiben. Denn
alles sollte seine Richtigkeit haben. Auch sonst war der Geistliche
sehr genau und bezeichnete den Kindesvater als "peregrini
carbonari", also auswärtigen Kohlenbrenner. Fragen wirft
allerdings der Name der Mutter auf. Sie soll nämlich Anna Scop heißen.
Handelt es sich denn gar nicht um Anna Zimmer? Immerhin stimmt der
Vorname. Der Nachname könnte ja ein Hausname oder ein anderer Rufname
sein. Dann wäre unsere Anna Zimmer doch in Adorferhof gestorben und
eine von den toten Anna Zimmer, die im Adenauer Kirchenbuch
verzeichnet sind? Demnach könnte es also sein, daß Michel Renard noch einmal geheiratet hat, denn die Eltern der Gertrud waren zweifelsohne legitime Eheleute. Das steht so im Kirchenbuch[56]. Der Name Scop oder Schopp war damals in Vischel nicht ganz unbekannt, wenn auch selten. Es gab nämlich 1791 einen Höfer namens Bertrand Schopp in Vischel, der bei der Eheschließung von Jakob Ruland vom Weißerather Hof (gleich nebenan) und der Adelheid Heinrichs aus Tongenburg genannt ist. Weißerath ist heute noch Forsthaus, und damals, zu Zeiten der Familie Ruland, gab es zumindest eine verwandtschaftliche Beziehung zum Jäger Kirsbaum und den Herren von Gymnich. Diesen Herren von Gymnich gehört das Haus Vischel mit seinem Besitz schon seit Jahrhunderten.
Im Königsfelder Ländchen Seine Geschichte lebt in seinem einzigen bekannten Sohn fort. Im Königsfelder Ländchen, genauer gesagt in Dedenbach, hören wir erst das nächste mal von Joseph Reinard. Nun zum jungen Mann herangewachsen, hat er 1777 bereits die Frau fürs Leben gefunden. Der "ehrenwerte junge Mann" (so steht es zur Hochzeit im Kirchenbuch) war vielleicht mit einer Schafherde in diese Landschaft zwischen Unterahr und Brohlbach gekommen. Weniger das wegen der geschützten Lage des Ortes wärmere Klima als in seiner Heimat, der Hocheifel, dürfte ihn angezogen haben, vielmehr war es die damals 26 Jahre alte Catharina Brem. Die Eheschließung müßte in Königsfeld stattgefunden haben, denn zu dieser Pfarrei gehörte Dedenbach damals schon. Josephs Eltern haben zu dieser Zeit schon nicht mehr gelebt, zumindest seine Mutter nicht[57]. Josephs Herkunft ist im Kirchenbuch eindeutig angegeben: aus "Villâ Adorff p'pe Adenau"[58] steht dort, also tatsächlich aus jenem Ort Adorferhof, welcher oberhalb von Gilgenbach gelegen ist. Leider ist das Datum der Hochzeit in Vergessenheit geraten. Der Pastor hat zumindest keines notiert. So hilft nur ein Blick auf den zuvor geschriebenen und den nachfolgenden Eintrag im Buch. Demnach heirateten Joseph und Catharina entweder am 9. Juli 1777 oder in der Zeit danach, auf jeden Fall aber vor dem 19. August. Catharina war die Tochter von Servatius Brem und Gertrud Hohs[59]. Die Familie Brem hatte in Dedenbach einigen Besitz. Sowohl im Ober-, als auch im Mittel- und Unterdorf.[60] Es ist nicht mehr festzustellen, wo die Familie Reinard damals wohnte. Peter und Johannes Brem, die bei der Eheschließung als Trauzeugen mitwirkten, waren wohl Brüder von Catharina. Joseph Reinard war Schafhirt. Doch gelegentlich wurden er und seine Frau auch schlicht als Ackersleut bezeichnet, was aber eher einer Art Klasseneinteilung entsprang. Beinah jeder in der Eifel betrieb neben seinem eigentlichen Beruf Landwirtschaft. Das war schon zum eigenen Unterhalt notwendig. Aber der Boden gab nicht so viel her, als daß man davon hätte leben können. So zwang der karge Ackerbau meist zur Viehwirtschaft. Üppige Talwiesen und magere Weiden gab es schließlich genug. Vor allem Schafe waren sehr beliebt. Fast jede Gemeinde hatte noch vor 100 Jahren ihre eigene Herde. Die Tiere lieferten Fleisch und Wolle. Zudem wurden gute Preise gezahlt. Ein Schäfer soll es gewesen sein, der einst "die feurige Kutsche" mit eigenen Augen sah, als sie wieder durchs Dedenbacher Ländchen raste. Die sagenumwobene Kutsche wird dem Volksglauben nach mal von guten mal von bösen Geistern durch die Nacht gelenkt. Den guten Geistern schreiben die Bewohner zu, die durchfahrenen Landstriche mit besonders reicher Feldfrucht zu segnen. Vor langer Zeit hat an der Straße von Dedenbach nach Waldorf an der Abzweigung nach Königsfeld ein Frauenkloster gestanden.[61] Die Fortsetzung dieser Straße, die mit Grauwacke gepflastert war, berührte wahrscheinlich die Königsfelder Burg. Auf dieser Strecke will ein Schäfer, der sich hier mit seiner Herde niedergelassen hatte, um Mitternacht eine solch sagenumwobene feurige Kutsche in rasender Fahrt gesehen haben. Wann dies war, ist leider nicht mehr festzustellen. Vielleicht handelte es sich bei jenem Schäfer ja um Joseph Reinard oder einen guten Bekannten von ihm? Möglicherweise war es dieselbe Kutsche, die in einer anderen Erzählung vorkommt: Eine feurige Kutsche soll nämlich auch gelegentlich von der Olbrück zum Rodder-Maar über Dedenbach nach Königsfeld gerast sein. Mit ihr hatten zwei Dedenbacher Männer einst eine unheimliche Begegnung. Am Abend des Allerheiligentages[62] wollten die beiden von Königsfeld nach Hause gehen. Die Nacht war ruhig und klar. Plötzlich hörten sie jedoch hinter sich die Geräusche eines Fuhrwerkes und waren erfreut, zu so später Stunde noch jemanden unterwegs anzutreffen. Insgeheim hofften sie mitgenommen zu werden, um bald den heimatliche Ort zu erreichen. So gingen sie dem Fuhrwerk froh entgegen. Doch schon bald überfiel sie Schrecken, ja Entsetzen, denn ein feurig glühendes Pferdegespann raste mit ohrenbetäubendem Lärm an ihnen vorbei. Wo die gewaltigen Räder der Kutsche den Boden berührten, sprangen rote und grüne Funken über den Grauwackebelag des Weges. Das Getöse, der ungewohnte Anblick und der Schrecken in finsterer Nacht waren mehr, als die beiden Männer ertragen konnten. Der eine rannte wie besessen und laut schreiend auf ein Feld, der andere vermochte sich eine Zeitlang nicht von der Stelle zu rühren. Er war damals noch jung, doch die Ereignisse jener Nacht hatten ihn um Jahrzehnte altern lassen. Seine Haare waren seitdem ergraut, und sein Gesicht war von tiefen Falten zerfurcht.[63] Aber zurück zu Joseph und Catharina. Die beiden hatten drei Kinder. Sie wuchsen allesamt in Dedenbach auf. Den Ältesten hatten sie Johannes genannt. Als Jo'es[64] Reinarts wurde er am 22. Januar 1781 in Dedenbach auch getauft. Seine Paten waren Johannes Brem und Anna Maria Goerges, beide aus Dedenbach. Am 1. Oktober 1783[65] wurde Anna Catharina Reinart geboren und noch am selben Tag getauft. Apollinari Brem und Anna Catharina Schaefer aus Dedenbach waren ihre Paten. Das dritte Kind, Mathias Reinard, wurde am 15. März 1786 in Dedenbach geboren und anschließend getauft. Seine Paten waren Mathia Hafener aus Hannebach[66] und Gertrude Maz aus Dedenbach. Viel ist über das Leben von Joseph Reinard nicht zu erfahren. Er war einmal Trauzeuge, vermutlich bei einem Schwager. Denn 1783, unter dem 29. August, ist im Kirchenbuch von Königsfeld die Eheschließung von Josephy Sebastiani Brem mit einer Elisabeth verzeichnet, und dabei wird "Josepho Reinart" als Zeuge erwähnt. Es ist aber auch kein Wunder, daß es keine weiteren Angaben über das Leben der Familie Reinard in Dedenbach gibt. Als Schäfersfamilie gehörte sie nicht gerade zu den Wohlhabenden, und außerdem führte der Beruf den Familienvater oft weit vom Dorf weg. Als die Franzosen kamen Erst 45 Jahre war Joseph alt, als er am 19. Januar 1791 starb. Seine drei minderjährigen Kinder blieben zurück. Als "ehrenwerter Mann" ist er im Königsfelder Sterbebuch bezeichnet.[67] Die Französische Revolution hat er nicht mehr erlebt. Seine Witwe hat aber sehr wohl noch mit angesehen, wie Revolutionstruppen 1794 ins Rheinland kamen, die Trikolore schwangen und Freiheitsbäume aufstellten. Vielleicht hat sich auch Catharina von den Franzosen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit versprochen. Doch kurze Zeit später starb auch sie. Die Kinder, erst 14, 11 und 9 Jahre alt, wurden vermutlich von der Verwandtschaft aufgenommen. Der Revolution ist es zuzuschreiben, daß der Todeseintrag für Catharina nicht im Kirchenbuch zu finden ist. Das war nämlich alsbald vom "Bürger" Fleischer eingezogen und als standesamtliche Unterlage benutzt worden.[68] Weil der Bürger Fleischer jedoch nicht sonderlich gut schreiben konnte[69] am liebsten las er wohl seinen Namen gibt es aus den ersten Jahren der Fränkischen Republik für Königsfeld keine vernünftigen Unterlagen. Den Tod von Catharina Reinard, geborene Brem, verrät so allein die Heiratsurkunde des jüngsten Sohnes: Demnach starb sie am 28. März 1795. Noch zum Oktober des selben Jahres erklärte der Konvent in Paris, daß die Länder auf der linken Rheinseite für immer mit Frankreich vereinigt seien. Nach dem Frieden von Campo Formio am 18. Oktober 1797 erklärte die französische Regierung am 4. November 1797 per Gesetz die Vereinigung der linken Rheinlande mit dem französischen Staat. Am 11. Dezember 1897, der nunmehr der 21. Frimär des Jahres VI war,[70] erließ der Regierungskommissar Franz Joseph Rudler in Bonn, dem das ganze eroberte Rheinland unterstand, nebenstehenden Aufruf.[71] Am 23. Januar 1798 wurde das linke Rheinufer nach französischem Muster in vier Departements geteilt: Roer in Aachen (de la Roer), Rhein-Mosel in Koblenz, Saar in Trier (de la Sarre) und Donnersberg in Mainz (du Mont-Tonnerre). Dedenbach gehörte zum Departement du Rhin-et-Moselle, zum Kanton Wehr. Die Departements waren wiederum in Arrondissements unterteilt. Nach Napoleons weiterem militärischen Siegeslauf stimmte am 9. Februar 1801 im Frieden von Luneville auch das Deutsche Reich der Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich zu. Statt der 150 Kleinstaaten gab es nun nur noch eine Republik.
[1] Das Kirchenbuch von Retterath befindet sich im Bistumsarchiv in Trier wie die meisten Kirchenbücher aus der Zeit vor 1870. [2] vallo von vallum. Wall und Palisaden umgeben. Wahrscheinlich für eine freistehende, gesicherte Behausung, wie ein einzelnes Gehöft benutzt. Siehe auch W.Jungandreas, Historisches Lexikon, Trier 1962, S.366f: vallis/vallo: Auflistung von Orts- und Flurnamen, die auf die Herkunft von Pfahl= Vail, Valijs, Vale, Vahls... zurückgehen. Es ist als Endsilbe aber auch Tal oder Burg denkbar. [3] Johann Georg Otto war von 1721 bis 1768 Pfarrherr von Daun und stammte aus Wittlich. (Schug, Pfarrgeschichte) [4] Das Kirchenbuch von Daun befindet sich im Bistumsarchiv in Trier und kann in Kopie eingesehen werden. Einfacher ist aber ein Blick in das Familienbuch Daun, das ebenfalls im Bistumsarchiv eingesehen werden kann. [5] Alois Reicherz ist der Besitzer des Hofes Hardt im Jahre 1993, dem Zeitpunkt meiner dortigen Recherchen. [6] Das Kirchenbuch von Mehren liegt ebenso wie ein Familienbuch im Bistumsarchiv in Trier. [7] Auch der Verfasser des Familienbuches von Mehren hat Birresborn gelesen. Eine Verwechslung mit dem näher gelegenen Bereborn ist wohl nicht passiert, sonst müßte Gerhard im Kirchenbuch von Retterath (ab 1734 geführt) stehen, was er aber nicht tut. [8] Der Hof Hardt trägt auf dem Giebel eine Jahreszahl. Der Bau der Höfe um Mürlenbach, Steinich, Hanert und Hardt, ist eindeutig für 1833 als neue Siedlungsgründung belegt. Im Jahre 1852 hatte er 3 Häuser und 14 Einwohner. (eiflia illustrata) [9] Das Kirchenbuch von Mürlenbach befindet sich im Bistumsarchiv in Trier. [10] Eine Nachfahrin lebt heute in New Mexico. [11] Darscheid, Ein Heimatbuch aus der Vulkaneifel, von Hans Mühlhaus, herausgegeben von der Gemeindeverwaltung Darscheid und dem Heimatverein Darscheid. [12] Stadtbibliothek Trier, Handschrift 2056/677, 4 [13] Stadtbibliothek Trier, Handschrift L 10/5 [14] Im Staatsarchiv in Wertheim befindet sich unter den Virneburger Unterlagen eine dicke Prozeßakte über die Verurteilung des Kohlenbrenners Michel Renardi. (Abt. Freudenberg, Rep. 103-114, Nr. 1079, ehemals Abt.E; Nr.22) Auf diese Unterlage bin ich nur durch Zufall gestoßen: Nikolaus Hermann, Heimatforscher in Mannebach, unweit von Retterath, besitzt eine Kopie des alten Verzeichnisses über die Virneburger Akten in Wertheim. [15] Fürstlich Wiedisches Archiv zu Neuwied. Bergsachen. [16] Johann Arnold Bertram war Hüttenmeister zu Neuwied. Wegen seiner "capacität und geschicklichkeit" ist er am 20. July 1730 vom Fürsten zu Wied als Forstrath vereidigt worden. Dabei ist er als achtbarer Hüttenmeister bezeichnet worden. Eine Urkunde vom 3. Juny 1741 nennt Bertram gewesenen Forstrath und Contoir Direktor. (Personalakte 17-9-2, Fürstl. Wiedisches Archiv zu Neuwied) Es gab damals eine Reihe von Gruben im Fürstl. Wiedischen Gebiet, die allesamt in den 30er Jahren von Johann Arnold Bertram kontrolliert wurden. Zudem soll Bertram der alten Kartei im Wiedischen Archiv zufolge einen Kupferhammer auf seinen Namen gekauft haben. Eine entsprechende Urkunde ist jedoch nicht auffindbar. [17] In den Bergwerksakten des Fürsten zu Wied gibt es eine Aufstellung der Zahlungen von 1736. Demnach erhielt auch ein Bergarbeiter namens Friedrich Rheinhart Lohn (6 Reichstaler). Einem Gerhard Rheinhard wurden drei Reichstaler und 36 Kreuzer für achteinhalb "maaß öhl" gezahlt. (Blatt Nr. 46 der Akte 21-4-1) Etliche andere Reinhards finden sich in den Folgejahren, als Förster und andere Beamte. (verschiedene Personalakten) Sie sind aber wohl evangelisch gewesen, wie ihr Landesherr. [18] Um 1750 hatte der Nettehammer einen Bedarf von 2500 Klaftern Kohlen. (nach Hommen, Das Breisiger Ländchen, Bd.2, S.183. Klafter =Kubikmeter?!) [19] Jakob Grün, Vogt und Revierförster für den Wald Hochpochten bei Laubach, ist im Jahr 1714 in über 20 Fällen des Vergehens gegen seinen Förstereid bezichtigt worden. Unter anderem, weil er Köhler hat Holz hauen lassen und in seinem Bereich ungenehmigte Bauten entstanden sind. Er ist sogar zu einer Strafe von 30 Goldgulden verurteilt worden. (StAWt, Abt. Freudenberg, Rep. 103-114, Nr. 1706) [20] Eine der ersten Verordnungen dieser Art war wohl die Landesordnung der Arenberger für die Herrschaft Mirwart aus dem Jahre 1567. Ihr erklärter Hintergrund: den Wald vor "totalle ruinne et decadence" zu bewahren) (Goffinet, Mirwart, S.77) Im Arenberger Raum gab es etliche Vorschriften zur Wiederaufforstung und für den besonderen Schutz von jungen Bäumen. Weideverbote gingen damit einher, zeitweise war sogar die Haltung von Geißen ganz verboten. 1710 verfügte der Landesherr von Arenberg, daß niemand mit Axt oder Beil in den Wald gehen dürfe. Doch die meisten Verbote fruchteten nichts. 1772 schrieb ein Trierischer Beamter: "Es ist überhaupt in den waldungen gehauset worden, als wan das holtz wie salatt im garten wachsen täte." (Zitiert nach Werner Schwind, Der Wald in der Vulkaneifel..., 1983, S.102) (nach Peter Neu, Die Arenberger, S.530f) [21] 1710 sicherten sich beispielsweise die Reidmeister der Ahrhütte im Arenbergischen Hoheitsgebiet bei benachbarten Gemeinden oder Herrschaften schon das Vorkaufsrecht auf Kohlen, die erst in 10 bis 20 Jahren zu brennen waren. Schon 1684 hatten Kohlen aus Orten, die mehr als 30 Kilometer von Ahrhütte entfernt lagen, geordert werden müssen. Dabei lag der Transportlohn deutlich höher als der Warenwert. 1715 zahlte der Hüttenmeister von Ahrhütte für 143 Karren aus Pelm rund 234 Gulden, die Fracht bezifferte er auf 191 Gulden.; aus Wallenborn waren im selben Jahr 141 Karren gekommen. Die Fracht kostete rund 300 Gulden, die Ladung 226 Gulden. (Arenberger Archiv in Edingen/Belgien, Akte D 602 ff./Akte 705, fol.12ff., nach Peter Neu, Bitburg) [22] Köhler: Die Mitglieder dieses Berufsstandes führten stets eine lange Stange mit sich, die sie dazu benötigten, bei Tag und bei Nacht das Kohlenfeuer im Wald in Gang zu halten. Dazu hatten sie im Wald für gewöhnlich einen kreisrunden Meilerplatz geschaffen, auf dem sie Rot- und Hainbuchenholz halbkugelförmig aufschichteten und verkohlten. Oft kam ein Kohlenbrenner tage- und wochenlang nicht unter Menschen. Schon wegen seiner verrußten Kleider und seines mit Aschepartikeln geschwärzten Gesichts wurde er vielerorts "Der schwarze Mann" genannt. (Eifel-Ardennen) [23] Zollprotokolle. (LHAKo 1C/6194, Rechnungen der Kellnerei Mayen) [24] An der Ahr (wohl wegen der Welschen) hieß ein Faß bances. Es wog im Jahr 1806 130 Pfund, jeder Karren beförderte 20 bis 23 Zentner. (Bericht über die Stahlhütte bei Dorsel vom 15.3.1806, LHAKo, Abt. 256, Akte 1066, nach Peter Neu, Die Arenberger) [25] Eine Teilabschrift dieses Vertrages ist Bestandteil der Prozeßakte Reinardi. Sie wurde wie die schriftlich erklärte Aussage der beiden Förster zu diesem Punkt von den Gebrüderns de Requille zu Montabaur dem Gericht übersandt, blieb aber offenbar im Prozeß ohne Wirkung. (Prozeßakte a.a.O.) [26] Die Gebrüder le Requille saßen offenbar in Montabaur. Im Landeshauptarchiv Koblenz habe ich sie nicht ausfindig machen können. Nach Koblenz wurde aber um 1790 von le Requillé aus Hohenrhein Eisernes geliefert. Eine gleichnamige Familie stellte im 19. Jahrhundert den Vogt in Münstereifel. [27] Das bestätigten Paul Bertram und Mattheis Einig am 15. 11 1730 im Pfarramt zu Retterath. Der Pastor J.Hoffman und der Vikar Stephan grein (Grün) hatten die Aussage protokolliert. Auch der Heimbürger von Dickscheid, Hans Niclas Schomacher, der mit einer eigenwilligen Hausmarke unterzeichnete (Pilzartig mit zwei gebogenen Füßen) bezeugte, daß er "gelt von dem Kohlenfuhr Empfangen hat von Bertram". (Prozeßakte a.a.O.) [28] Dokument 1 (siehe Anhang) [29] Gesuch der Untertanen von Retterath vom 23. Mai 1730. Es ist heutzutage schwer, sechs Reichstaler zu zahlen, bei Landschulden von 1600 Talern! Gegen den Willen der Mannebacher schrieben im Namen der vier Dörfer im Oberkirchspiel: Peter Schmit als VogtsVerwalter des Kirchspiels Retterath; Mathias Schmit, Heimbürger zu Mannebach; Franz Gilgenbach, Heimbürger zu Retterath; Niclas Guntert, Gerichtsschöffe zu Arbach; Thomas Herman, Gerichtsschöffe zu Mannebach (Hausmarke 4); Peter Diederichs, Gerichtsscheffe zu Lierstall (Hausmarke ); Oster Diederichs, Heimbürger zu Lierstall. Sie wollten Kohlen brennen lassen und verkaufen, um etwas Geld einzunehmen. (Staatsarchiv Wertheim, Abt. Freudenberg, Rep. 103-114, Nr. 1673) [30] Dokument 2 (Siehe Anhang) [31] Ein Klafter gleich sechs Fuß, mitunter auch zehn Fuß (1,7 Meter im Mittel) Als Raummaß für Holz entspricht ein Klafter etwa 90 bis 150 Kubikfuß, je nach Scheitlänge. Die preuß. Klafter galt 3,339 m³. (dtv-Lexikon) [32] Dokument 3 (Siehe Anhang) [33] Der Vertrag, worin Reinardi den Wald für 24 Reichstaler an Schäffges verkauft und die Garantie erhält, für jedes Fuder Kohlen 6 Reichstaler zu erhalten, befindet sich in der Prozeßakte und ist auf den 6. Juny 1730 datiert sowie von Vikar Grün unterzeichnet. Unter den Namen von Johannes Stephan Damian, Joseph Damian Magister in Calenborn, Meister Martinus Evener von Clotten ME Haußmarke steht auch: michel reinards eigenhandiges hauß+mark. Sie alle bezeugen, daß der Wald Blochthal bei Arbach für 24 rth. an Schäffges geht und meister michell die Kohlen mache; für jedes Fuder solle er 6 rth. haben. (Prozeßakte a.a.O.) [34] 18.9.1730 Erschien der leyische Schultheiß von Calenborn Peter Schäffges: "...daß die mit arrest belegten Kohlen Kraft des Verzichts (Capplan grün) vom 6. Juny a.c. nicht dem Kohler michell renardi sondern ihm zustünden. Der sei nur der erste Käuffer. Den Tumult der Fuhrleute vor dem Amt hätte er seinerzeit nicht verstanden. (Prozeßakte a.a.O.) [35] Das mächtige Geschlecht der Virneburger, dessen bedeutendstes Mitglied der 1322 verstorbene Kurfürst Heinrich, der Erbauer des Kölner Domchors, gewesen ist, besaß seit 1545keine männlichen Erben mehr. Nach langem Zwistgelangte Anna Salome von Manderscheid-Gerolstein in den Besitz der Virneburg, den sie aber ihrer älteren, an Christoph Ludwig von Löwenstein-Wertheim verheirateten Schwester Elisabeth um 1600 gegen die Herrschaft Kronenburg im Tausch überließ. Die Löwensteiner kümmerten sich wenig um den kleinen Besitz, der 1776 aus vier Kirchspielen und etwa 330 Haushaltungen bestand, waren aber milde Herrscher, welche die Frohndienste ihrer Untertanen 1594 und 1680 in Geldleistungen umwandelten. ("Aus Geschichte und Kultur der Eifel", 1991, S.57f) [36] Dokument 4 (Siehe Anhang) [37] Schreiben vom 2.1.1732 Abgabe des Vorfalls an das Hochgericht zu Coblentz. (Prozeßakte a.a.O.) [38] Die gesamte Prozeßakte enthält keinerlei Angaben zu Alter, Geburtsort oder Verwandtschaft des Kohlenbrenners Michel Renardi. Das Urteil der zweiten Instanz enthält lediglich einmal die Herkunftsangabe Retterath. Ein amtlicher Lückenschluß fehlt also. Dafür gibt es viele Übereinstimmungen: Namensgleichheit, Zeitumstände, Lokalität, sowie ein überdurchschnittlich gutes Verhältnis zur Geistlichkeit. Beweis dürfte schließlich sein, daß der Köhler Michel Reinard später an den selben Orten tätig wurde, an denen auch Michel und Anna lebten. [39] Beschreibung aus Peter Neu, Industrie (Landschaft ohne Grenzen, Eifel - Ardennen, 1993) [40] Anna Maria Schreibers wird bei einer anderen Patenschaft eindeutig als Schwester des Retterather Pastors identifiziert. (Kirchenbuch Retterath im Bistumsarchiv Trier, S.53) Pfarrer von Retterath war von 1733 bis 1752 Peter Schreiber. Er war 1702 in Koblenz geboren. (Schug) [41] Im Kirchenbuch ist der Name Zimmer zu dieser Zeit selten. Es gibt nur diesen Peter Zimmer, der am 26.10.1734 Margaretha Kür geheiratet hatte und später Vater von Nikolaus Zimmer (*19.11.1738) und Mathias Zimmer (*1.4.1743) werden sollte. 1737 war Peters Frau bei der Familie Krämer/Simon in Salcherath Patin, einer Familie, mit der offenbar auch Michel Renard zu tun hatte. (KB1 Retterath) [42] Hüttenmeister auf dem Nettehammer. Nachfahren: Firma Rasselstein. [43] Dokument 5 (siehe Anhang) (LHAKo Best.40, Nr.517) [44] Irgendwelche verwandtschaftlichen oder bekanntschaftlichen Verbindungen lassen sich nicht mehr nachweisen, zumal das älteste noch existierende Retterather Kirchenbuch erst 1734 angelegt wurde. [45] Es gibt in Retterath für keine Tochter von Michel und Anna einen Hochzeits- oder Sterbeeintrag. Sie könnten also auch als Kinder gestorben sein und bloß nicht ins Kirchenbuch eingetragen worden sein. [46] Dokument 6 (siehe Anhang) (LHAKo, Bestand 40, Nr. 517) [47] Über der Eingangstüre steht zwar heute noch die Zahl 1734, doch die rührt lediglich vom Turm her. Der war damals angebaut worden. Ein Visitationsbericht von 1745 nennt die Kirche baufällig. Sie wurde schließlich auch im 19. Jahrhundert zum größten Teil abgebrochen und erneuert. Dabei ist auch der Innenraum ganz umgestaltet worden. (Clemen/Renard, Kunstdenkmäler der Rheinprovinz) [48]
Siehe die Abrechnungen mit den Grafen von Bassenheim. LHAKo
Best.40 Nr.564 [49] Aufsatz über die Geschichte von Herschbach im Gemeindearchiv Kaltenborn. (auch Quelle der nachfolgenden Angaben) [50] 1743 am 29. März stirbt Anton Choises, Soldat aus Flandern, in Lederbach, dem damaligen Standquartiere. (Eifelland, S.235) [52] Die Original-Kauf-Urkunde, wohl auf Leder geschrieben, ist heute noch im Besitz der Nett-Nachfahren. Es heißt: "...den vom Herrn von Wentz erkauften freien Alloidialhof in der Adorf binnen dem Schultheißenamt Adenau gelegen, für ständige Nutznießung. gleich darüber die errichtete Fundation aufweiset, zu fundieren. Die sonstige Nutzbarkeit der Büsche wegen Laubholz und Loheschälen bleibt dem Unterhalt des Gebäudes vorbehalten..." Die Pachtsumme von 100 Reichstalern war kompliziert auf mehrere Zahltermine im Jahr gesplittet. Die Geburt Johannes des Täufers (24.6.) sowie Christi Geburt (24.12.) waren die Termine für jeweils 40 Reichstaler, die einem Studenten, beziehungsweise einer Jungfrau der Schnitzigen Familie zufallen sollten. 12,5 Reichstaler seien am Palmsonntag zu zahlen an den (Tyro) der Rest an einen der fünf Provisiones, also, daß jeder Stamm (der Familie Schnitz) jedes fünfte Fest des Apostel Jakobus die Zahlung genießt. (nach einer nicht ganz wortgetreuen Abschrift der Urkunde, die von der Familie Ooyen aufbewahrt wird) [53] Ein Malter Hafer wog in Adenau 99,446 kg. (Erich Mertes aus Kolverath) [54] Pfarrarchiv Adenau. Rechnungen der Kirche, Lagerbuch der Johanniterkommende, die einst von Graf Ulrich von Are auf Nürburg als dritte Niederlassung des Kreuzfahrerordens auf deutschem Boden gegründet worden ist. [55] 1733 war ein Johannes Dreiser in Adenau Bürgermeister, 1736 ein Johannes Dresen, 1738 Jodokus Newinger. In Adenau wurde damals in jedem Jahr ein anderer zum Bürgermeister gewählt. Der Name Zimmer taucht auch in der Liste auf. (Bürgerbuch Adenau) [56] Kirchenbuch im Bistumsarchiv in Trier. [57] Sowohl im Familienbuch als auch im Kirchenbuch von Königsfeld ist bei der Eheschließung hinter den Namen der Eltern von Joseph der Vermerk p.m., also verstorben, angebracht. Es ist leider nicht ersichtlich, ob nur die Mutter als Letztgenannte oder auch der Vater gemeint ist. [58] Die Abkürzung p'pe kommt aus dem Lateinischen und steht für "prope" = im Bereich von, Besitz. [59] Catharina wurde am 25. Februar 1751 als Tochter des Servatius Brem und der Gertrudis Hohs in Dedenbach geboren und am 27. des selben Monats getauft. Paten waren Catharina Schaefers aus Dedenbach und Jacob Hohs aus Schalkenbach. (Kirchenbuch Königsfeld im Bistumsarchiv Trier) [60] Katasterkarten aus der Zeit kurz nach 1800 nennen mehrfach den Familiennamen. Damit läßt sich darauf schließen, daß die Familie schon länger im Ort ansässig ist. So gab es beispielsweise am Fußpfad vom Mittel nach dem Oberdorf Auf dem Blenser einen Hof von Apollinar Bremm (Parzelle 1072/II in Karte XVI, Blatt 9. Am Weg nach dem Unterdorf Auf dem Auel ist ebenfalls der Besitz von einem Apollinar Bremm eingezeichnet. Die Nachbarn hießen Josef Henk und Nikolaus Henk auf der anderen Straßenseite, (hinter dem Haus floß der Bach) und zur einen Seite Gotschalk. (Karte XVI, Blatt 6) Das Elternhaus könnte jedoch am Feldweg kurz vor der Einmündung Matzgraben gestanden haben. Innen in der leichten Kurve befand sich ein fremdes Haus, das nächste war gleich Sebastian Brem. Der Nachbar hieß Hos. Auf der anderen Straßenseite, das Eckhaus zum Matzgraben, wohnte P. Görges und dessen weiterer Nachbar im Matzgraben war Jakob Gotschalk. (Karte XVI, Blatt 5) (Katasteramt Sinzig) [61] Noch bis zur Hälfte des 19. Jahrhunderts, so behaupten ältere Leute, sei die Brunnenanlage zu sehen gewesen. Zudem gibt es über dieses Kloster und die hartherzige Nonne, die dort lebte, eine eigene Sage erzählt, wonach die Frau einst von einem Bauer auf einer Geldkiste sitzend angetroffen wurde, aber nicht erlöst werden konnte. Der Mann hatte es nicht geschafft, der Schlange unter der Kiste den Schlüssel zu entreißen. Nun könne erst ein Knabe die Nonne erlösen, dessen Wiege aus dem Holz einer Eiche gezimmert würde, die aus einer Eichel erwachsen sei, die eine Krähe fallen gelassen habe. (Sagen und Legenden der Eifel) [62] Dieser Tag wird in der ganzen Eifel mit Spuk- und Geistergeschichten in Verbindung gebracht. [63] aus Pracht, "Sage und Legenden der Eifel" 1994. [64] Joês ist nichts weiter als die Abkürzung von Johannes auf lateinische Art. Das Auslassungszeichen wurde über den folgenden Buchstaben gemacht. So wurde oft auch Mariâ geschrieben, weil es in Latein eigentlich Mariae heißen mußte. [65] Oktober ist im Kirchenbuch nach dem römisch-lateinischen Monatsnamen als 8bri abgekürzt. 8=octa. Auch die folgenden Monate sind oft mit den alten Zahlen abgekürzt. 9=nona für November, und X als Zahlzeichen für zehn, denn Dezember kommt von decima. Solche Abkürzungen gab es auch für Vornamen. Christina wurde desöfteren mit dem X als Christussymbol verkürzt: Xtina. [66] möglicherweise ein Sohn des Anton Hafener, der das Wegekreuz bei Rech an der Ahr gestaltet hat. [67] 19na Jan. pie obiit honestus vir Joseph Reinard ex Dedenbach o´ibus morientium Sacramentis mature munitus. (Kirchenbuch Königsfeld im Bistumsarchiv Trier) Das Wörtchen mature läßt auf einen plötzlichen unerwarteten Tod schließen. [68] Als Folge der Revolution fielen die Gebiete links des Rheins an Frankreich und gehörten fortan zur französischen Republik. Die Franzosen vollzogen eine rigorose Verwaltungsreform, bei der es zu einer Einteilung in Bürgermeistereien (Mairien) kam, deren Grenzen sich selten an alte Gau oder Kleinstaatengrenzen hielten. Kirchenbücher wurden eingezogen und stattdessen Personenstandsakten angelegt. Geburt und Tod waren meldepflichtig; die Zivilehe wurde vorgeschrieben. Mit der Säkkularisierung, der Verweltlichung, hatte die Kirche sowieso einen Großteil ihrer Macht verloren. [69] Der Bürger Mathias Fleischer hat im Kirchenbuch von Königsfeld, das sich im Bistumsarchiv zu Trier befindet, etliche Seiten mit seiner fürchterlichen Handschrift verunstaltet. Außerdem befinden sich aber auch in französischer Sprache verfaßte Artikel darin, die mit Unterschrift und Stempel der französischen Verwaltung versehen sind. [70] Die Zeitrechnung der Französischen Republik begann mit der Revolution. Die hatte im September stattgefunden, und so war der 22. September 1792 in den Augen der Franzosen der 1. Vendémiaire (Weinmonat) des Jahres I. Zwölf Monate hatte das Revolutionsjahr. Nur die Monate waren unterschiedlich lang. Das richtete sich nach den Fruchtständen. Aus der Landwirtschaft waren auch die Monatsnamen entliehen. So hieß der März beispielsweise Germinal: Monat der Keimung. Beim Umrechnen hilft nur eine Tabelle. Denn der Monat begann irgendwann zwischen dem 18. und 24. - und das verschob sich über die Jahre. [71] aus Jakob Rausch, Heimatbuch der Stadt Ahrweiler |
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Meine Urgroßeltern: Johann Joseph Reinnarth und Anna, geb. Euskirchen, lebten in Plittersdorf/Rhein. Meine Gromutter Käte Schmetz kurz nach dem Krieg mit meiner Mutter auf dem Arm. |
Der Kohlenbrenner
Michel Renard Veröffentlichungen
von mir zu diesen Themen Taler, Albus und Heller statt
Korn, Hafer und Erbsen - Köhlerei in der Langhard
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| ...wird noch ausgebaut | ||||||||||