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Ein Kirchenbuch

...in Arbeit


Was ist das überhaupt? 

Wenn wir erst einmal so weit sind, dass wir erkannt haben, Daten zu unseren Vorfahren in einem Kirchenbuch finden zu können, dann stellt sich schnell die nächste Frage: Was ist das überhaupt? 

Zunächst einmal: Mit Kirchenbüchern sind hier die Aufzeichnungen über Taufen, Heiraten und Sterbefälle gemeint. Mitunter finden sich in den Kirchenbüchern auch Listen der Kommunikanten.

Seit etwa 1600 waren die katholischen Pfarreien gehalten diese drei wichtigen Ereignisse im Leben niederzuschreiben. Dies hatte vor allem den Hintergrund,  dass für die Dienstleistungen des Pfarrers Geld erhoben wurde, aber eben auch, dass Ehehindernisse wie Schwägerschaft und Blutsverwandtschaften erkannt und nachgewiesen werden konnten. Fortan war es für jemanden der in einem anderen Ort heiraten wollte notwendig, nicht nur von seinem weltlichen Herrn, sondern auch von der Kirche eine Erlaubnis zu beantragen. Also hatte das auch etwas mit Macht zu tun. Für die Heirat außerhalb der Pfarrei war eine Entsendung (Dimmission) notwendig.

Grundsätzlich wurden diese Bücher mit all den leider meist verschwunden Zusatzakten in den Pfarreien selbst geführt - wie Visitationsprotokolle (Niederschriften von den Kontrollbesichtigungen der Kirchenoberen) zeigen, jedoch oft liederlich oder gar nicht. Die Fehlerquote ist zudem erschreckend hoch, was manchmal auf Unkenntnis zurückging, teils auf Schludrigkeit. Da soll es Pfarrer gegeben haben, die sich die Notizen zunächst auf Zettel machten und diese dann - natürlich aus Versehen - zum Pfeife anzünden benutzt haben. Wer nach den Daten seiner Vorfahren forscht, wird also mit Lücken und fehlerhaften Einträgen rechnen müssen.  Kriege und Brände haben den Kirchenbuchbestand zusätzlich reduziert. Mancher wird jedoch auch belohnt: mit ausführlichen Notizen und Zusatzvermerken eines gewissenhaften Geistlichen.

 

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Was ist ein Kirchenbuch und was finde ich darin? Was kann ich erhoffen, was muss ich befürchten?

Wo finde ich das?
Wo kriege ich überhaupt ein Kirchenbuch her, damit ich es lesen und für meine Zwecke auswerten kann?

Wie lese ich das?
Handschriften sind eine Hürde, ungewohnte Anordnungen eine andere - und was bedeuten die Abkürzungen?

Kleine Schriftkunde
Handschriften unterscheiden sich zwar oft stark, folgen aber oft modischen Erscheinungen,

Lesen mit System
Der Aufbau von Kirchenbucheinträgen folgt Gesetzmäßigkeuten, deren Kenntnis das Lesen erleichtert.

Spezielle Worte
Selbst mit einem Lateinwörterbuch sind bestimmte Formulierungen aus Kirchen- büchern kaum genau zu übersetzen:
Dimmission
Dispens (DvA, DvB, DvS)

Wo finde ich das? 

Nun, da wir genauer wissen was wir suchen, lautet die nächste Frage: Wo finde ich das überhaupt? 

Weil die Bücher in den Pfarreien geführt werden, sind sie im Prinzip auch dort zu finden. Das gilt zumindest für die aktuellen Bücher. Die alten allerdings sind meist an das Kirchenbuchamt (oder vorher an ein Landesarchiv) abgegeben worden. Aus Sicherheitsgründen wurden gelegentlich Zweit- und Drittschriften angefertigt, die - wegen des Abschreibens - sogar einen unterschiedlichen Inhalt haben können.

Beim Bistum Trier gibt es ein Bistumsarchiv, für Nordrhein-Westfalen ist das Personenstandarchiv in Brühl die zentrale Sammelstelle für Kirchenbücher. An beiden Orten gibt es ähnlich einer Bibliothek Lesesäle, in denen in aller Ruhe (!) Einsicht in die Bücher genommen werden kann. Abschreiben ist erlaubt, Fotokopieren in Trier auf keinen Fall (nach Absprache darf ohne Blitz fotografiert werden), in Brühl unter Umständen, zumal viele Bücher verfilmt sind und mit den dort zur Verfügung stehenden Lesegeräten (Einweisungen gibt es von der Saalaufsicht) auch Kopien möglich sind. Kopien kosten natürlich Geld, ebenso wird inzwischen in beiden Archiven ein Tagessatz für die Benutzung genommen.

Gibt es ausnahmsweise ein altes Kirchenbuch nicht im Archiv, ist der Weg zum Pfarrer notwendig. Dort kann man meist ebenfalls nach Terminabsprache Einsicht nehmen. Neue Bücher sind immer in der Pfarrei, allerdings dürfen die in der Regel auch nicht eingesehen werden: Datenschutz. Dieses Gesetz wird oft so kleinlich ausgelegt, dass sich einem die Haare sträuben, andererseits gibt es genügend Archivare, die ausreichend Gespür für den Schutz persönlicher Daten haben, um im Einzelfall die amtlichen Grenzen etwas zu verbiegen. Darum will ich hier nur erwähnen mit welchen Schwierigkeiten zu rechnen ist: Als die Datenschutzgesetze zu wirken begannen, wurde willkürlich etwa 100 Jahre zurück eine Grenze gezogen, weil da ja eventuell noch jemand leben könnte, der etwas dagegen hätte, dass man von ihm ein Datum wüsste. So beginnt irgendwo zwischen 1875 und 1900 die Tabuzone. Bei Sterbeeinträgen sollte das nicht so tragisch sein, weil 30 Jahre nach dem Ableben eigentlich kein Grund mehr für Datenschutz besteht.

Wer nun ein Buch in der Pfarrei suchen muss, kann die Adresse vielleicht auf unserer WO-Seite finden.

 

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Wie lese ich das?  

Mancher, der das langgesuchte Kirchenbuch endlich vor sich hatte, der schlug es so schnell wieder zu, wie er es aufgeschlagen hatte. Warum? Die Schrift war für den Suchenden unlesbar. 

Tatsächlich sind viele Kirchenbücher noch bis in unsere Tage hinein handgeschrieben und in Latein verfasst. Gelegentlich sind auch Bücher in altem Deutsch zu finden. Das ist jedoch kein Grund zu verzweifeln!

Ich kann hier sicherlich nicht alle Schreibgewohnheiten auflisten, jedoch möchte ich auf einige Eigenarten alter Schriften aufmerksam machen und vor allem den meist schematischen Aufbau der Kirchenbucheinträge entmystifizieren.

 

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Kleine Schriftkunde  

Auf einige alte Schriften möchte ich hier eingehen: Die altdeutsche Handschrift um 1500, die altdeutsche Kanzleischrift und die lateinische Handschrift.

 

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Lesen mit System  

Kirchenbucheinträge sind leider nicht immer nach dem gleichen System gestrickt. Das ist schon manchem Verfasser eines Familienbuchs zum Verhängnis geworden, der beispielsweise auf die Eigenart eines Pastors hereinfiel, zunächst den Täufling, dann die Mutter und letztlich erst den Vater zu nennen. Grundsätzlich rate ich dazu, in Ruhe ein Buch von vorne bis hinten zu lesen. Dies macht mit der Schrift und vielleicht sogar mit Gedankengängen des Schreibers vertraut. 

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Spezielle Worte  

DIMMISSION
dies Bedeutet "Entsendung" und findet sich meist in der Abkürzung "Dim." im Kirchenbuch. Es geht darum, dass ein Pfarrmitglied in eine andere Pfarrei überstellt wird, in der Regel, um dort zu heiraten. Die Ehe wird dann also woanders geschlossen und dennoch im Buch der Heimatpfarrei vermerkt (wenn man Glück hat). Das Datum der Dimmission ist nicht mit dem Datum der Eheschließung gleichzusetzen, gibt aber logischer Weise einen Anhaltspunkt für die Datierung einer Eheschließung. In seltenen Fällen mag es trotz Dimmission nicht zur Eheschließung gekommen sein. Dies ist stets zu bedenken.

DISPENS
Eine Dispens, also eine Entbildung von kirchlichen Vorschriften, war in verschiedenen Fällen notwendig, vor allem beim Heiraten:
Dispens vom Aufgebot (DvA) war während kirchlich geschlossener Zeiten bei gebotener Eile (Kind unterwegs, oder so etwas) notwendig. Als "geschlossen" galten zum Beispiel Fastenzeit und Adventszeit.
Dispens von der Blutsverwandtschaft (consanguinitas, DvB) wurde gelegentlich erteilt, wenn zum Beispiel bei älteren Hochzeitern keine Kinder mehr zu erwarten waren, aus Armut (pauper) oder aus anderen Gründen verzichtet werden konnte. Grundsätzlich sollte "Inzucht" vermieden werden. Während heute gesetzlich die Ehe mit Verwandten zweiten Grades (Vettern und Cousinen) möglich ist, war meist die Ehe im dritten, vierten oder (zu Beginn des 18. Jahrhunderts, sogar im fünften Grad verboten. Entsprechend wird ein Dispens auch gekennzeichnet: Dispens fünften Grades ist also die Ausnahme von der Blutsverwandtschaft im fünften Verwandtschaftsgrad. Folglich war fünf Generationen zurückgezählt das erste gemeinsame Vorfahrenpaar zu finden. Natürlich kann man auch mit einem Generationsunterschied heiraten, also Cousine und Halbvetter hätten einen Dispens 2.-3. Grades benötigt.
Dispens von der Schwägerschaft (affinitas, DvS) funktioniert wie bei der Blutsverwandtschaft, nur dass die Verwandschaft nicht leiblich besteht, sondern durch eine Eheschließung, also eine "angeheiratete" Person. Übrigens: Schwägerschaft entsteht bei der Heirat ausschließlich mit den Verwandten des Ehegatten, nicht etwa mit der Schwägerschaft des Ehegatten. Letzteres wäre die im Volksmund bekannte "Schwippschwägerschaft".
Dispens von der geistigen Verwandtschaft - falls es den gegeben hat, dann handelte es sich um eine Hochzeit zwischen Patenkind und Patenonkel bzw. -tante.

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